How to live green and fair? - Was der erhobene Zeigefinger bringt!

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Photo: Katja Kolesnik Photography

Photo: Katja Kolesnik Photography

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein neuer Wochenrückblick kommen, doch anstatt euch zu erzählen was ich alle so getrieben habe, kommt mal wieder ein etwas persönlicherer Beitrag, der aber trotzdem ganz gut zu dem Erlebtem der letzten Tage passt. 

Am Mittwoch habe ich im Rahmen eines Bildungsseminars der Caritas, dass ich als Pädagogin geleitet habe, an einem konsumkritischen Stadtrundgang in Leipzig teilgenommen. Klingt interessant, war es auch. Ich fand es spannend meine Stadt aus aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Obwohl ich viele der gezeigten fairen Einzelhandelsgeschäfte schon kenne (Eine-Welt-Laden, Contigo, Oxfam oder Grünschnabel), war für viele andere Teilnehmer neu, wo man überhaupt fair oder grün einkaufen kann. Was mir dennoch sauer aufgestoßen ist, war der erhobene Zeigefinger der bei jedem Laden erhoben wurde. Denn auch wenn man da fair einkaufen kann, dann macht man trotzdem immer noch irgendwas falsch. Kaufst du vegan bei Veganz, dann rennst du einem Lifestyle hinterher. Gehst du zu Oxfam shoppen, dann solltest du dir aber auch bitte da überlegen, ob das überhaupt ok ist, denn die Mitarbeiter arbeiten alle ehrenamtlich. Bei Contigo Leder-Accessoires kaufen ist natürlich auch irgendwie doof (weil eben nicht vegan) und es ist zwar schön dass die neue Kirche in Leipzig komplett mit regionalen Unternehmen und Firmen gebaut wurde, aber oh Schreck die Pflastersteine davor sind aus China, also auch alles scheiße! Hmm….und wie macht man es nun richtig? Anscheinend gar nicht!

Worum es mir geht is folgendes: wir wissen um die Missstände in der Welt, wir schreien nach Veränderung, nach Alternativen. Doch wenn wir einen alternativen Weg einschlagen, scheint dieser auch irgendwie falsch oder zumindest nicht ganz richtig zu sein. Das Einzige was dann bleibt sind Verwirrung und Resignation. 

Anstatt einen Jugendlichen vorzuführen weil er bei Primark kauft, fände ich es viel sinnvoller wirklich adäquate Alternativen aufzuzeigen. Wem wundert es denn das ein 17 jähriges Mädchen nicht bei Oxfam kauft, wenn sie nur die Auswahl von Gr.48 und Mode im besten Oma-Look zur Verfügung hat? Keiner erzählt einem in der Schule, was Verantwortung und Nachhaltigkeit wirklich im Alltag bedeuten. Ein Verhalten das über Jahre bzw. Jahrzehnte eingehalten und an erlernt wurde ist eben schwer in kurzer Zeit komplett zu verändern. Man sollte Anreize schaffen, denn dieses 17 Jährige Mädchen hat vielleicht 50 € im Portmonee und dann verleiten die großen Ketten, die viel für wenig Geld versprechen.

Das ist von meiner Seite aus kein Pro für Fast-Fashion, ganz im Gegenteil, ich finde es selbst nicht einfach mein Garderobe komplett umzustellen. Oft fehlt es mir an modernen aber dennoch irgendwie bezahlbaren Alternativen. Aber jeder kleine Schritt in eine andere Richtung ist auch wichtig, auf jeden Fall wichtiger als gar keinen zu machen. Meine liebe Freundin Viktoria vom wundervollen Leipziger Blog Vintagemädchen, hat im Rahmen der „Fast-Fashion“ Ausstellung in Dresden (Hygienmuseum) einen sehr emotionalen aber auch mit einem Haufen praktischer Tipps versehenen Beitrag geschrieben. Sie klärt auf, bietet aber auch Anreize und erzählt warum Vintagemode auch eine schöne Alternative ist.

Ich finde es reißerisch, das Menschen wie Attila Hillmann und Maddie von Dariadaria von angeblichen Alles-Richtig-Machern permanent gelyncht werden, weil sie dass und das falsch gemacht haben (Ohh der Attila fährt Porsche und trägt auch mal nen Lederschuh, man man man),…ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das im wahrsten Sinne des Wortes ein Schwein (oder die tausende Hühner oder Rinder) interessiert, welche durch die beiden schon von so vielen deutschen/österreichischen Speiseplänen verbannt worden sind. Diese „wer A sagt muss auch B sagen“ Mentalität kotzt mich richtig an, denn damit schafft man exakt gar nix. Wenn du vegan isst musst du nicht letztendlich alles in deinem Leben veganisieren, du darfst es natürlich und vielleicht wirst du es auch, weil du dich interessiert, beliest und dich aufklären lässt. Jeder kleine Schritt zählt und an alle Pseudo-Ökotanten da draußen: steckt den Zeigefinger bitte weg oder fasst Euch damit selbst an die Nase.

Einen schönen Sonntag Euch!

Madlén Bohéme

PS: an alle meine lieben Leserinnen und Leser aus Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden- Württemberg: nehmt euer Wahlrecht heute wahr und geht wählen! Die Menschen haben zu lange dafür gekämpft, als das man die wichtigen politischen Entscheidungen nur anderen überlässt. Alle die rassischtische Hetze und andere menschenverachtende Parolen verbreiten, werden heute mit Sicherheit ihre Kreuze machen. Wählen ist wie Zähne putzen, wenn man es nicht tut, wird's braun!