Der Boho ist der neue Hipster? - Warum der Begriff Bohéme so faszinierend für uns ist!

Die Welt der Sozialen Medien und auch die Modeindustrie sind vor allem in den letzten Jahren von einem Wort geprägt: BOHO. Geht es auf Temperaturen jenseits der 15 Grad zu und wohnt man eventuell in Kalifornien oder Byron Bay, winken uns auf massenhaft Instagramaccounts die Hashtags Boheme, Gypsy oder Boho zu. Bohéme sein ist in. Ich kann es verstehen, denn nicht nur mein Blogname, sondern auch meine Beitragsüberschriften kommen ohne den Begriff nicht aus. 

Schon länger habe ich mich gefragt, warum der Begriff uns so anzieht, warum Bohéme oder Boho-Sein mehr sein muss, als nur eine bestickte Jacke zu tragen? 

Bohéme sein kommt mit Freiheit daher, mit dem Gefühl weitergereist zu sein, in den Tag hineinleben zu können und der Möglichkeit, die eigene Kreativität, Zöpfe flechtend am Strand auszuleben. Bohéme vermittelt Austausch und traditionellen Ursprung, nicht umsonst werden sich bei Kleidung und Gegenständen alter Muster indigener Völker, Stickereien und anderer folkloristischer Bilder bedient. 

Der ursprüngliche Bohemien der 1900er kam jedoch eher besitzlos daher und die Bezeichnung als solche stand als Symbol für eine verarmte Künstlerschicht Europas. Bohéme sein war also nichts perfektes, im Gegenteil sogar. Der Kreis der Bohéme wendet sich gegen Bürgerlichkeit und gesellschaftliche Anforderungen, war damit ewig suchend. Vielleicht ein Grund warum der Begriff sich irgendwie authentisch und inspirierend anfühlt, man assoziiert ihn mit Wildheit, Exzess, Freigeist, Exzentrik, Sonne, Leidenschaft, Wanderlust und Fernweh. Mit unserer heutigen Vorstellung von ewiger Sommerbräune, Urlaub und Wanderschaft hatte er aber vor über 100 Jahren nichts zutun. Trotzdem bleibt da dieses Gefühl.

Und um dieses Gefühl geht es uns, wenn wir von unseren maurischen/orientalischen Tellern essen und uns am frühen Morgen das bestickte Jäckchen über die Schultern werfen, den Fedora aufsetzen und wild in unser Paperblank Buch kritzeln. Auch wenn wir es in der mitteldeutschen Kleinstadt tun und der Urlaub in den Thüringer Wald, anstatt nach Mexico, geht. 

Bohéme steht für Sehnsucht und Suche! Eigentlich sogar für wenig haben, aber viel leben! Das lassen jedoch die wenigsten von uns zu, denn gesellschaftlich steht eher Konsum, Materialismus (ich nehme mich da nicht raus) und ein extremes Bedürfnis nach Sicherheit an unserer Tagesordnung, anstatt eines VW Bus und dem Straßenmusikerdasein. 

Künstler wie Frida Kahlo (obwohl sie meiner Meinung nach mit diesem Begriff und dessen Ursprungs nichts zu tun hat), sowie der Maler Alphons Mucha oder auch der Stil der fahrenden Völker und die romantisierende Vorstellung von Zigeunern (Hashtag Gypsy ;) beeinflussen stark die Vorstellung dieses Begriffes. Unser Drang auszubrechen und barfusslaufend durch einen ewigen Sommer zu gehen, wird dadurch beflügelt. 

Also zieh ich nun mein bestickte Bluse an und fiebere meinem Road-Trip entgegen.

 

Liebst,

Madlén Bohéme ;)