Ich suche einen Job!

Kann man in einer (zum Teil kranken) Leistungsgesellschaft dauerhaft einen erfüllenden Beruf finden? Ein Post mit vielen Fragen und keiner klaren Antwort.

Ich suche einen Job...relativ logisch, wenn sich das Masterstudium dem Ende neigt...Doch ich suche nicht nur einen Beruf, sondern eine Berufung. Eine Tätigkeit, die mir nicht nur halbwegs wirtschaftliche Sicherheit gibt, sondern vor allem Erfüllung, Spaß, Motivation, lebenslanges Lernen, Kreativität und genügend Zeit für andere Dinge des Lebens lässt. Schaue ich mich in meinem Umfeld um, scheint es diese Jobs wenig bis gar nicht zu geben... . Ich will jetzt nicht schwarz Malen, aber mal ganz ehrlich: wieviele Menschen arbeiten von Wochenende zu Wochenende, um an knapp 2 Tagen all dies zu kompensieren, was Ihnen unter der Woche verwehrt geblieben ist? Da wird sich dann die Rübe zugesoffen oder anderweitig enormer Freizeitstress auferlegt, aber selten die Frage gestellt: wozu das Ganze? Für 25 Tage Urlaub im Jahr? 

Wie intensiv denken wir eigentlich wirklich darüber nach WAS und WIE wir arbeiten wollen? Vollzeit? Angestellt oder Selbstständig?

Uns wird immer suggeriert uns schnell entscheiden zu müssen, für die richtige Ausbildung oder das richtige Studium. Bloß keine Zeit verplempern...aber mal ganz ehrlich? Wo bleibt die Zeit zum Ausprobieren? Zum Austesten? Und wer sagt bitte schon, was RICHTIG ist? Wer bestimmt denn bitte das Zeit-Raum-Kontinuum für unser Leben? Und wie relativ ist es denn wirklich, eine gesunde Work-Life Balance zu haben? Und zum Schluss mal ganz ehrlich: warum muss ich denn WORK von LIFE immer trennen? Weil Arbeit zu etwas Doofem geworden ist? Oder schon immer war?

Geht es nach der Wirtschaft, zählen eh nur Abschlüsse die am besten mit 22 Jahren gemacht worden sind und im Bereich Marketing, Engineering oder irgend ein anderen nicht zu deutenden super duper englischen Titel mit sich bringen. Hätte ich jedes Mal 5 € auf die Frage nach meinem Studiengang, mit der einhergehenden Frage: UND WAS MACHT MAN DAMIT?, bekommen...ohne Scheiss, ich könnte die nächsten Monate super leben.

Versteht mich nicht falsch, ich habe immer neben dem Studium gearbeitet und tue das auch noch. Freiberuflich, als Pädagogin in einem außerschulischen Bereich, der mir große Freude bringt...nur kann ich leider diesen nicht direkt so weitermachen. Das ist jetzt kein: Oh mein Gott jetzt soll ich 40 Stunden arbeiten gehen und mein friedvolles Seifenblasen-Studentenleben-aufgeben-Post. Aber ich habe nun das Gefühl aufbrechen zu müssen...mich beweisen zu müssen, ganz laut "HIER- ich bin die Geilste" im ganzen Bewerbungs-Prozedere schreien zu müssen, um gesehen zu werden. Das Gefühl sich verstellen zu müssen...das macht sich dann irgendwie breit. Weil ich verunsichert bin. War das Studium umsonst? Die falsche Wahl? Warum gerade was Kreatives und dann auch noch Geisteswissenschaften? 

Ich bin unsicher...Weil ich nicht weiss, was die kommenden Monate für mich bereit halten. Ich suche nach einem für mich sicheren Platz, in einer zunehmend mehr und mehr unsicheren Welt.

Gibt es denn das Modell der Selbstverwirklichung auch Fulltime oder nur als Halbtagsjob, mit einem "Brotberuf" als Basis, der mir Miete und Krankenkasse zahlt? Jetzt aber genugr der ganzen Zukunftsängste...ich denke, dass es durchaus möglich ist, einen Job zu finden, der einen ausfüllt und beides bereithält. Ich hoffe einfach sehr, ihn bald zu finden.

Liebst,

Madlén Bohéme

PS: Inspiration für diesen Text war (abgesehen von meiner eigenen Situation gerade) der sehr tolle Artikel des noch tolleren Blogs von Mischa, welcher auf Adios-Angst, über sein Leben und seinen Weg aus der Depression und einer ungesunden Arbeitssituation schreibt...Empfehlenswert.