Tagebuch einer mittelschweren Depression Part III - Meine liebsten (Selbsthilfe-) Bücher

Die dunkelsten Stunden
Gib den dunkelsten Stunden ein Wort,
eine Stimme,
einen großen Teil deiner Aufmerksamkeit,
bitte Sie herein und biete ihnen Tee, sei der Freund den sie sonst nie zu Gesicht bekommen,
damit Sie ihren Schrecken verlieren und bitte Sie dann zu gehen…
wenn sie ihre Masken abgelegt und Du losgelassen hast.

 

Diese kurze Gedicht schrieb ich vor drei Jahren, in einer wichtigen Phase meiner Psychotherapie. Es war das Ende meiner ersten Therapiephase, das Ende von 80 Sitzungen und ich musste vorerst Abschied von meinen regelmäßigen, dass heißt einwöchigen Sitzungen nehmen. Viele von Euch haben gefragt, wie lange und welche Art von Therapie ich gemacht habe. Dieser ganzen Thematik werde ich einen weiteren Betrag widmen, da es da anscheinend so viel Nachfragen und auch Unsicherheiten gibt.

Vorerst möchte ich jedoch einem ganz anderen Thema einen Artikel widmen, nämlich der bereits angesprochenen Literaturliste an Büchern, welche mich während meiner Therapie bzw. generell in den letzten Jahren immer wieder begleitet haben. Diese vier Bücher haben nachhaltig Eindruck auf mich gemacht, sie haben mich und meine Einstellung zum Leben geprägt und vor allem meine Sicht auf die Gesellschaft verändert. Nicht nur die vier Exemplare die ich Euch nun vorstelle, möchte ich Euch empfehlen, sondern auch jeden Autor, jede Autorin an sich.

 

Erich Fromm würde ich gerne persönlich für all seine Bücher danken, leider lebt er nicht mehr. Er war nicht nur Psychoanalytiker sonder auch Gesellschaftskritiker und Philosoph. Niemand wie er hat es bereits schon vor über 60 Jahren verstanden, die Probleme der modernen Zivilgesellschaft so auf den Punkt zu bringen. Dabei sind all seine vergangenen Werke so aktuell wie nie. In seinem Standardwerk "Haben oder Sein", spricht Fromm davon, dass wir Menschen am Materialismus (Haben) erkrankt sind. Unsere vermeintliche menschliche Bedürfnisbefriedigung geschieht vor allem über sinnlosen materiellen Konsum und anderer stupider Ablenkungen im Alltag (Fernsehen, Alkoholkonsum, ...). Diese Flucht macht uns krank, denn keine Klamotte, kein technisches Gerät, kein Geld der Welt kann uns letztendlich zu wahrer innerer Befriedigung (Sein) führen. Wir Menschen sind soweit von uns selbst und unserer eigenen Natur entfernt (siehe Marx -> Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit), so dass wir nur krank und unglücklich werden können. 

Es ist sehr schwer dieses bedeutende Buch herunter zu brechen, es lässt sich auch an der ein oder anderen Stelle nicht so ganz einfach lesen, jedoch gibt es so wichtige Denkanstöße und hat mich vor allem eins gelehrt: Erfahrungen und zwischenmenschliche Begegnungen anstatt Dinge zu sammeln.

PS: Wem die Lektüre von Erich Fromm zu "schwer" ist, dem empfehle ich die Bücher von Peter Lauster . Generell kann ich jedes Buch von Fromm empfehlen, ich habe wirklich jedes mir zur Verfügung stehende Exemplar gelesen, als "Pflichtlektüre" empfehle außerdem ich:

  • Die Kunst des Liebens
  • Wege aus einer kranken Gesellschaft
Krankheit als Weg: Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder
By Thorwald Dethlefsen, Ruediger Dahlke

Meiner Meinung nach ist der Einbezug der Seele und Psyche in die Schulmedizin, auch als Psychosomatik bekannt, eine der größten Errungenschaften der letzten Jahre. Man kann den Körper vom Geiste nicht trennen und wenn unser physischer Körper krank wird, sollte wir auch immer danach fragen, an was unsere Seele gerade leidet. Im allgemeinen Volksmund gibt es so wunderbare Redewendungen wie: "Ich habe die Nase voll", "Etwas geht einem an die Nieren", "Es hängt einem zum Halse hinaus", "Es liegt einem etwas auf dem Herzen" oder "es liegt einem etwas schwer im Magen". All diese Sprüche verbinden einen seelischen Zustand der sich körperlich bemerkbar macht, sehr bildhaft gesprochen. Und genau darum geht es in dem Werk von Rüdiger Dahlke. In "Krankheit als Weg" erklärt uns der Autor, wie sich ein seelischer Zustand in eine körperliche Reaktion umwandeln kann. Das eine bedingt quasi das andere. Ich finde es super, dass auf unseren Körper verlass ist, um uns innerliche Missstände zu erklären. Natürlich kann man eine normale Erkältung einfach hinnehmen und sie mit Medikamenten versuchen zu kurieren, aber man kann sich auch fragen: wovon habe ich aktuell die Nase voll, wem würde ich eigentlich am liebsten mal etwas husten und welcher Umstand bringt und dazu, dass unser Körper Ruhe braucht?

Für viele mag das wohl an den Haaren herbeigezogen wirken, mich hat dieses Buch jedoch sehr für meinen Körper und sein Warnsystem sensibilisiert. Abgesehen von dieser Publikation kann ich noch  folgende Bücher von Rüdiger Dahlke wärmstens empfehlen:

  • Krankheit als Symbol
  • Krankheit als Sprache der Seele
  • Peace Food

PS: Dank eines Vortrages zum Thema "Peace Food" von Herrn Dahlke in Leipzig im Jahre 2012, lebe ich außerdem fleischlos. 

Marie Cardinals Roman beschreibt ihren eigenen krassen Weg aus der Depression in Form einer langjährigen Psychoanalyse, zu einer Zeit in der psychische Erkrankungen ein noch größeres Tabu als heute waren. Das unglaublich an ihrer Geschichte ist die Tortur, welche sie durchleiden musste, als sie geplagt von jahrelangen Blutungen und Angstattacken von Arzt zu Arzt geschickt wird, ohne Erfolg. Sie fühlt sich ständig als Verrückte und beschreibt den Zustand des sich Nicht- Verstanden-Fühlens auf eine unglaublich intensive Art und Weise. Erst durch die Aufarbeitung ihrer eigenen leidvollen Geschichte kann sie diese extremen körperlichen Leiden überwinden und langsam zu sich selbst finden. Dieses Buch ist ein Plädoyer an die Psychotherapie und ein Paradebeispiel für Psychosomatik.

Wenn ich etwas an gängigen Therapieformen zu kritisieren habe, dann ist es die Tatsache dass viele Patienten zu lange in der eigenen negativen Vergangenheit verbringen und somit die Verantwortung ein selbstbestimmtes Leben zu führen, an eine lebenslange Opferrolle abgeben. Schuld waren immer die Anderen, deshalb kann man ja auch heute nicht anders reagieren und ein glückliches Leben führen. So wichtig ich es finde, dass man die Gründe erörtert warum man so ist, wie man ist und welche Situationen und Beziehungen aus den vergangenen Jahren verantwortlich für die eigenen ungesunden Verhaltensmuster und Handlungen sind...muss ich trotzdem im Heute lernen diese Muster zu durchbrechen. Ich kann es mir nicht immer einfach machen und Schuld abgeben, sondern muss bereit sein selbst aktiv zu werden, um mein Leben in eigener Verantwortung führen zu können.  

Und genau dieser Ansicht sind auch die beiden amerikanischen Psychotherapeuten, welche das Buch "The Tools" verfasst haben, enttäuscht über den fehlenden Methodenkoffer mit Übungen für eine aktive Unterstützung der Patienten in der Psychotherapie. Sie stellen in ihrem Buch fünf "Werkzeuge", sprich Übungen vor, welche einem im Alltag unterstützen und aus alten Mustern herausholen sollen. 

 

So, dass waren kurz und knapp die für mich wichtigsten Bücher...Sicherlich habe ich eine Menge vergessen, denn ich habe so viel zum Thema Depression und Selbsthilfe gelesen.

Welche Bücher haben Euch geholfen bzw. kennt ihr zufällig eins (oder mehrere) der von mir aufgeführten "Ratgeber"?

 

Liebst,

Madlén Bohéme

*Dieser Beitrag enthält Affiliate Links

PS: Part I und Part II zum Thema Depressionen findet du hier und hier