Tagebuch einer mittelschweren Depression Part II - Was mir geholfen hat...

Zu aller erst einmal möchte ich sagen, dass ich überwältigt und unglaublich gerührt bin. Ich hätte niemals erwartet, dass der Post über meine Depressionen und das Thema allgemein so eine hohe Resonanz erfährt. Ich danke jedem von Euch, der mich an seinem Weg teilhaben lässt und für jedes Feedback zum Artikel, ob über den Blog, auf Instagram oder private Nachricht.

In diesem zweiten Beitrag, möchte ich davon berichten, was mit persönlich in den letzten Jahren geholfen hat. Das ist natürlich sehr individuell, doch in vielen Gesprächen mit anderen ist mir bewusst geworden, dass jeder Mensch, der an Depressionen erkrankt ist, ein Suchender ist. Und dieses Suchen vereint. Deshalb gibt es immer wieder gemeinsame Schnittstellen und man kann sich gegenseitig ermutigen und inspirieren.

Diagnose

Psychische Erkrankungen haben Namen und werden anscheinend gemessen und somit nach ihrer Härte beurteilt...die Diagnose meiner Psychotherapeutin lautet: mittelschwere Depression und Angststörung. Pah dachte ich zu erst,...klingt gut, zumindest für den Gutachter. Ich wusste zwar das irgendwas mit mir nicht stimmte, aber den Stempel einer Depressiven, wollte ich mir lange nicht aufdrücken lassen. Die wirkliche Erkenntnis und Akzeptanz, dass es sich dabei verdammt nochmal um eine Krankheit handelt und dass das einfach mal überhaupt nicht schlimm ist, hat mich 4 Jahre Therapie gekostet. Denn dieser Erkenntnis liegt der wirkliche Schmerz inne, das Taubheitsgefühl, die Ohnmacht. Viele wissen zwar dass sie depressiv sind, gehen aber damit um, wie mit einer Stiefschwester: kann man haben, muss man aber nicht. gehört zu einem, aber auch nicht wirklich. Aber eigentlich sollten wir der Krankheit irgendwie dankbar sein, nämlich dass sie Alarm schlägt und uns förmlich anschreit und sagt:" Hey hier läuft gewaltig was schief...kümmere dich mal um dich!"

Aber was tun? Wie kann ich mir helfen und helfen lassen, bei einer Sache, einer Krankheit die ich selbst nicht richtig verstehe? Weil ich mich nicht mehr verstehe, mich verloren habe? 

Meine Antwort: SELBST - Findung. ....(wir erinnern uns an das Suchen und so...)

 

Von Selbsthilferatgebern,Happinez, OOOOMs und Psychotherapie

Aber wie findet man sich selbst und kann das verdammt nochmal bitte schnell gehen?

Kann es mir bitte ganz schnell wieder gut gehen, damit ich auf Arbeit oder in die Uni gehen und "normal" sein kann? Das ist meiner Meinung nach das größte Problem bei der Heilung, dass man die Krankheit "loswerden" will. Denn mal schnell eine Depression eliminieren, nachdem man oft Jahre lang Raubbau an sich selbst oder andere an einem betrieben haben, geht leider nicht. Es braucht Zeit...das will (wie bereits angesprochen) unsere Gesellschaft nur in der Regel nicht...deshalb auch der immense Einsatz von Antidepressiva und anderen Mitteln, um uns wieder funktionsfähig und roboterhaft zu machen.

Ich hab nichts gegen Antidepressiva, es kann sicher ein Mittel sein um einen für einen überschaubaren Zeitraum Linderung und etwas Ruhe zu verschaffen. Aber es ist eben nur eine Symptombekämpfung und niemals(!) eine Lösung für die Ursache. Und diesen Ursachen sollte man sich unbedingt annehmen.

Und so kommen wir zu meinen persönlichen Hilfsmitteln:

Erster Schritt: Psychotherapie

Nach einem kurzen Ausflug in den Therapeutenkosmos mit 19 Jahren, habe ich es dann mit 23, während des Bachelorstudiums nochmal probiert. Glücklicherweise habe ich damals (in Halle/S.) schnell eine Therapeutin für Tiefenpsychologie gefunden und konnte meine Therapie starten. Eine sehr gute Entscheidung, ein langer Weg...den ich bis heute gehe. Das Schöne an einer Psychotherapie ist, dass sie dir Struktur bietet, du musst da einmal pro Woche hin. Da ist eine aussenstehende Person, die sich deiner annimmt, der du, wenn du bereit bist, alles erzählen kannst. Von größter Bedeutung ist aber, dass die Chemie stimmt...und das man sich in der Therapie nicht selbst belügt, denn auch das kann leider passieren. Eine Therapie alleine ist auch kein Allheilmittel, aber ein super Anfang. 

Zweiter Schritt: Lesen, lesen, lesen....Dauerkunde in der Selbsthilfeabteilung

Ich liebe Lesen und ich habe einen durchaus gut ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb gepaart mit Neugierde. In meinen dunkelsten Stunden waren diese Eigenschaften zwar sehr sehr vergraben, sind dann aber wieder aufgetaucht. Da mir bewusst war, dass eine Therapie eine langwieriger Prozess ist und ich auch nebenher etwas für mich tun muss, begann ich zu lesen. Ich bekam aus der Familie zum Glück einige wertvolle Tipps und habe mich einmal querfeldein durch die großen Psychotherapeuten unserer Zeit gelesen. Ein wirklich interessantes Unterfangen, was mir sehr geholfen hat mich und die Welt besser zu verstehen. Vor allem die folgende Autoren werden Zeit meines Lebens, eine zentrale Rolle für mich spielen:

  • Erich Fromm
  • Alice Miller
  • Rüdiger Dahlke

Zusätzlich gab es noch eine Zeitschrift, die mir wie durch Zufall (...nein den gibt es nicht), damals in die Hände fiel und bis heute mein stetiger Begleiter ist...ich meine das Mindstyle Magazin Happinez. Diese Zeitung, welche eine Mischung aus Psychologie, Esoterik, Yoga, Alternativmedizin und Selbsthilferatgeber ist, hat mir schon etliche wundervolle Stunden beschert und mich vor allem zum nächsten Schritt gebracht.

Dritter Schritt: Yoga...sich selbst wieder spüren (körperlich und geistig)

Gut ein halbes Jahr nach Beginn der Therapie und nach der ersten Happinez Ausgabe, bin ich damals nach Leipzig gezogen und habe für mich einen Neuanfang gewagt. Dieser beinhaltete auch, dass ich unbedingt mit dem Yoga anfangen wollte, weil ich das Gefühl hatte, es könnte mir gefallen. Ganz pragmatisch bin ich dann zum nächsten Yogastudio um die Ecke gegangen und dies hatte sich als absoluter Jackpot herausgestellt. Ein kleines, intimes Studio, voller Herzensmenschen und vor allem der Ansicht, das Yoga etwas einheitliches ist, für Körper, Geist und Seele und kein Trendsport zur Körperoptimierung. Es tat unheimlich gut mit meinem Körper mal wieder in Kontakt zu kommen und auch die Atemübungen bringen einem Ruhe, Ruhe in eine rastlosen Geist wie meinen. 

Für alle Leipziger: es handelt sich hier um den Yoga Garten Schleußig, mehr Informationen findet ihr hier.

Vierter: Klarheit ... denn: Kommunikation ist leider wirklich alles (vor allem, die mit mir selbst)

Das ist sicher einer der schwierigsten Punkte. Klarheit bedeutet für mich, dass ich in Kommunikation mit mir selbst trete um herauszufinden, was ich wirklich will und was mir gut tut. Wo belüge ich mich? Und wo mache ich generell faule Kompromisse um anderen zu gefallen, einen Gefallen zu tun oder ähnliches? Wenn man das so langsam für sich herausfindet, fühlt man sich viel mehr mit sich verbunden, einig und vereint. Der nächste und noch schwierigerere Schritt ist, dass der eigenen Umwelt zu vermitteln und den Menschen um uns herum klar zu kommunizieren, was wir wollen und was nicht, denn davor haben wir oft die größte Angst. Angst vor Ablehnung, Verlassen zu werden und und zu enttäuschen. Aber das ist Quatsch, denn die Menschen die es meiner Meinung nach Wert sind und einen Funken Empathie und Menschlichkeit in sich tragen, werden es verstehen oder zumindest versuchen. 

Mein Weg

Das ist nur ein kleiner aber relevanter Teil der Punkte, welche mir geholfen haben und bis heute helfen. Natürlich klappt das mal besser und mal schlechter. Denn unser Leben baut sich auf verschiedene Säulen auf (nennen wir sie Familie, soziale Kontakte, Beruf, Gesundheit, finanzielle Situation), sobald eine oder mehrere Säulen ins Wanken geraten oder sogar ganz wegbrechen, verlieren wir an Stabilität und dass kann uns immer wieder sehr aus dem Gleichgewicht bringen und eine Depression verschlimmern, produzieren aber leider auch wieder hervorholen.

Was hat Euch denn dabei geholfen auf Eurem Weg? Für Anregungen und Tipps wäre ich sehr dankbar.

Liebst,

Madlén Bohéme