Was bedeutet eigentlich Heimat? - Ein Ausflug ins Riesengebirge Part I

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Was ist eigentlich Heimat?

Je mehr ich auf der Welt unterwegs bin, desto mehr frag ich mich was der Begriff Heimat für mich bedeutet! Wir werden zufälligen an einem Ort in einem bestimmten Land geboren! Dafür haben wir nix getan aber die Umgebung und ihre Bedingungen haben extremen Einfluss auf uns, manchmal finden wir sie gut, manchmal furchtbar und wir können kaum erwarten uns eine neue Heimat zu schaffen. 
Heimat können aber auch mehrere Orte sein. Nachdem Vogtland ist der erste Ort, den ich nach vielen Stationen wieder zuhause nennen konnte Leipzig. Das liegt aber auch und vor allem an den Menschen hier! Mein soziales Umfeld, meine Arbeit, die Stadt selbst! 

Was bedeutet eigentlich Wurzeln?

Vor knapp zwei Wochen habe ich mit Sarah einen Ausflug ins tschechische Riesengebirge gemacht. Wir waren nur von Samstag auf Sonntag in dieser sagenumwobenen Region nah der polnischen Grenze. Den ersten Tag verbrachten wir mit einem Wanderausflug, zu dem ich euch später noch genauer berichten werde. Den zweiten Tag starteten wir mit einem Outdoor-Frühstück am Skihang in Vitkovice und haben uns im Anschluss daran auf die Spuren meiner Familie begeben. 

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Zalesny Lohta (dt. Huttendorf)
Mein Opa (mittlerweile 80 Jahre alt) musste vor 70 Jahren, im Alter von neun , aus seiner Heimat dem Riesengebirge fliehen! Seit fast 30 Jahren nun kenne ich seine Geschichten aus der Region, vom Rübezahl, welche er mir immer weinend aber auch mit strahlenden Augen erzählt hatte! Ich hatte ihm schon als Kind versprochen, dass ich irgendwann einmal selbst hinfahren werde. Er selbst war bisher nur ein einziges Mal, kurz vor der Wiedervereinigung da, zu schmerzvoll sind die Erinnerungen an eine dreimonatige Flucht, hungernd, der Tot tausenden Menschen auf den Fersen! Damals erkannte er das kleine Dorf, was nur knapp 300 Einwohner zählt kaum, konnte sich nur von der Kirche, welche auf einer Anhöhe steht, orientieren.

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Das standen Sarah und ich also auf einmal: Mitten im Dorf, zur Mittagszeit. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Trotz strahlendem Sonnenschein und blauen Himmel, fröstelten mich die Geschichten zu einem dunklen Kapitel der Geschichte. Als Sudetendeutscher wurden viele Menschen damals aus ihrer Heimat vertrieben. Die Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe ist eine ganz eigene und zwiespältige und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Fakt ist, dass sich unter diesem Namen die deutschsprachigen Bewohner von Böhmen (Bohéme ;) und Mähren verstehen. Aber zurück zum Thema.

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Die Kirchglocken des roten katholischen Backsteingebäudes läuten, der Kirchgang ist soeben vorüber, wir nutzen die Gunst um einen Blick hinein zu erhaschen. Mit Händen und Füßen frage ich danach, ob es in Ordnung ist Fotos zu machen: der Pfarrer nickt. Hier also wurde mein Opa getauft. Hier hat er jedes Wochenende gebetet und ist als junger Mann dann doch nach den Gräueln die er erlebt hat, aus der katholischen Kirche ausgetreten. Wer den zweiten Weltkrieg erlebt hat, wer glaubt da noch an Gott?

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Das Geburtshaus

Eine Dorfkarte verrät uns die Hausnummern, wir müssen zu Haus 193, dem Geburtshaus...wir laufen los. Über Zalesny Lohta, was eins Huttendorf hiess, legt sich eine idyllische Ruhe. Gepflegte Gärten, Düfte die das Mittagessen verraten, im Garten sitzende Menschen. Eben auch ein ganz normales Dorf, die Vergangenheit vergangen. Ich telefoniere mit meinem Vater: "und...ist es sehr schlimm?" ...Schlimm? In unserer Vorstellungskraft, durfte sich durch die Geschichten der Vergangenheit, dieser Flecken Erde nur in Grau und Schwarz-Weiss darbieten. Doch wie überall auf der Welt, heilt auch hier Zeit die Wunden. Zum Glück, doch die Narben (vor allem dank der aktuellen politischen Lage) zu vergessen wäre fatal. 

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Wir spazieren die Dorfstrasse weiter...flanieren, erzählen uns Geschichten und fotografieren. Eine Bushaltestelle wird zur Shootinglocation. Und ich denke an meine Wurzeln...schon als kleines Kind habe ich mich Tschechien immer sehr hingezogen gefühlt. Ich liebe das Essen, dass folkloristische, Prag ist eine meiner absoluten Lieblingsstädte. Wurzeln sind wichtig, sie ankern uns im Boden. Sie können uns verraten wer wir sind und wir entscheiden dann weiter, wer wir sein wollen, denn wir haben Kontrolle darüber wonach unsere Äste streben und in welche Richtung sich unsere Krone erhebt.

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Habt ihr Euch schon mal auf die Spuren eurer Familie begeben?

Liebst,

Madlén Bohéme

 

*In freundlicher Zusammenarbeit mit King Louie - Vintage inspirierte Mode / WERBUNG