Blurred Lines - Die Sache mit der Realität und menschlichen Abgründen auf Social Media

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Was ist Wahrheit?

Das was wir tagtäglich auf sozialen Medien präsentiert bekommen? Schön inszenierte Über-Leben, die von Konsum, dicken Reisen, perfekten Körpern und "alles ist super, auch wenn das Influencer-Leben schon anstrengend sein kann!" - Attitüde? Du musst dich nur genug anstrengen, dann ist in feinster "Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär" Mentalität alles möglich?

Ich glaube nicht. Die weichgespülte Welt von Instagram und Co, welche in 90% der Fälle ohne Humor und Vielseitigkeit auskommt, scheint das Gespür für das eigene Leben von vielen Menschen zu trüben. Ab und an schaffen es die Hashtags wie #prayfor(bitteAnschlagsort einfügen) oder #metoo dann einen kurzen Moment des pseudopolitischen Bewusstseins aufzubauen, um danach dann im Glanze der Caro Daurs dieser Welt wieder unterzugehen. 

Das hier nicht das Leben in all seinen Facetten gezeigt wird, haben unlängst einige Blogger und Instagrammer in den letzen Monaten versucht in die Köpfe ihrer Follower zu bekommen. Leider vergeblich! Denn in zunehmend mehr Gesprächen, aus zunehmend mehr Nachrichten die ich selbst auf Instagram erhalte, zeichnet sich die verschobene Wahrnehmung des Lebens da Draußen ab. Nämlich in den Bereichen ausserhalb des Rahmens unserer Smartphones und Laptops.

Ich will heute wirklich kein Teenager mehr sein.

Denn was soll aus einer Generation werden, welche Influencer als Wunschberuf angibt, mit dem Ziel Dinge für kostenlos und vermeintlichen Ruhm zu bekommen... da wünscht man sich doch glatt den DSDS Wahnsinn vor 10 Jahren zurück. Ich will mich auch gar nicht herausnehmen aus dem oben gesagten. Das Internet kann den Horizont erweitern, es ist ein Tool, dass richtig genutzt Demokratie erzeugen und über den Tellerrand schauen lässt. Auf der anderen Seite hilft es aber, dank mangelnder Diversität auf den Kanälen des Einheitsbreis, die plumpe Gleichschaltung herbeizurufen, die nur Nachmittagssendungen auf RTL toppen können.

Als ich 15 war musste/konnte ich mich nur mit den Mädchen aus meiner Kleinstadt und utopischen Bildern aus Zeitschriften vergleichen, das war sicher auch nicht gerade optimal. Doch unsichere Mädchen/Jungs heutzutage vergleichen sich mit der ganzen Welt. Und da wo Ohnmacht durch Überforderung entsteht, lässt sich auch keine gefestigt Persönlichkeit bilden. Ich finde es erschreckend, dass eine gute Bekannte von mir, welche als Psychologin tätig ist, zunehmend mehr Fälle von Selbstmordversuchen unter jungen Menschen behandelt, welche aufgrund der Tatsache entstehen, dass ein nicht erreichbares Ideal der Lebensführung tagtäglich  suggeriert wird und eben nicht erreicht werden kann. Ganz klar, dass muss an den Jugendlichen selbst liegen...sie strengen sich nicht genug an, sind nich schön oder reich genug.

Wer sagt diesen denn, wie das Leben mit 15, 25 oder 55 auszusehen haben MUSS? Wer vermittelt denn wirklich, dass das Schönheitsideal nicht 1,75 cm groß, Größe 34 und lange blonde Haare plus Designerhandtasche und den üblichen 50K Follower auf Instagram ist?

Für viele sind die Instalikes die Währung des eigenen Selbstwertgefühls.

Ich hab Anfang des Jahres einen Mann kennengelernt, der irgendwann checkte das ich Summe X Follower auf IG habe, sein Kommentar: "Ich wusste ja gar nicht wie fame du bist"...Aha und jetzt? 

Einen Anderen treffe ich durch einen Kumpel, er schreibt mich über IG an mit den Worten: "wir haben uns da und da zufällig getroffen, ich wusste ja gar nicht welche Persönlichkeit vor mir steht" - WOW ich hab also 17K Likes und bin deshalb passend für dein Beuteschema? Mega oberflächlich und danke für das nicht vorhandene Interesse an meiner wirklichen Person.

Wir leben in einer Welt in der die äußere Hülle, der Schein des durchgestylten Lifestyles uns den Blick für das Wesentliche nimmt: unser Inneres. Das was uns wirklich bewegt, die Momente in denen ich auf die Frage:" wie geht es Dir?", mit Scheisse antworten darf ohne das mein Gegenüber in seiner Weltansicht der Oberflächlichkeit einen Schlag in die Fresse bekommt. 

Das ist keine klassische Kritik an den Medien, ich liebe das Bloggen und bin selbst Teil der Maschinerie der sozialen Medien. Aber etwas mehr Realität im Sinne von Diversität würde ich mir von allen Wünschen. Wer will schon die zweite Caro Daur oder wer auch immer sein, wenn man lieber man selbst sein kann. Und das nach seinen eigenen Regeln!

Danke an meine liebe Katja für die Inspiration zu diesem Post <3 

Madlén