Surfing ZEN - oder auch warum kein Mensch unsportlich ist! Part I


surfing Portugal

Update: dieser Artikel ist aus dem Jahr 2017 und war ursprünglich auf einem anderen Blogzine veröffentlicht. Ich hab ihn relativ kurz, nachdem ich mit dem Surfen angefangen, habe geschrieben und heute nochmal angepasst.

Als Teenager und viele Jahre meines jungen Erwachsenendaseins dachte ich, ich sei unsportlich. Ich hatte irgendwie keine große Lust und keinen Spaß an Bewegung in Turnhallen oder eingeengten anonymen Fitnessräumen. Außerdem habe ich es auch auch geschafft, diese negative Selbstzuschreibung mir glaubhaft und dauerhaft einzureden. Das ist natürlich absoluter Bullshit. Kein Mensch ist unsportlich, Bewegung für uns Menschen eigentlich das natürlichste, doch viel zu selten werden wir motiviert uns auszuprobieren, einfach ohne Druck wieder Spaß an Bewegung, vor allem in der Natur und in keinen künstlichen Räumen zu finden.

Peniche balelal surf

On the hunt for the right sport

Wie sehr man sich einreden kann, dass man etwas NICHT kann, ist oder darstellt wurde mir dann erst vor sieben Jahren bewusst. Zu Beginn meiner Psychotherapie habe ich auch meine Leidenschaft für das Yoga entdeckt. Diese allumfassende, na sagen wir mal körperliche Ertüchtigung, welche Körper und Seele in Einklang bringt, hat auch mir ein großes Geschenk gemacht: nämlich das Vertrauen in meinen Körper und dass um diesen wieder zu spüren, ihm zu vertrauen, der Schlüssel in der Langsamkeit, im Fokussieren und Atmen liegt.

surf beginner
surf beginner


Wenn die erste Erfahrung mit einem Sport fürn Arsch ist!

In den darauffolgenden Jahren habe ich dann einigen anderen Sportarten eine Chance gegeben....der größte Fail war sicherlich hier die Woche Snowboarden in Österreich 2008. Zu wenig Anleitung, zu viel Angst vor Geschwindigkeit...ich bin wohl so eher dann doch der Schlittentyp, als die Burton tragende Schneekönigin. -

Diesen Satz über das Snowboarden schrieb ich vor zwei Jahren und kann ich HEUTE absolut wiederlegen. Wie trügerisch erste Erfahrungen mit einer Sportart unter falscher Anleitung sein können, wird hier ganz deutlich. Denn seit diesem Jahr, ist sicher dieser Wintersport ein lebenslanges neues Hobby geworden.

Yoga, Kanu fahren, Tanzen,Skateboarden und Wandern...das sind die Outdoor-Aktivitäten, welche mich in den letzten Jahren abgeholt haben. Sie sind draußen, spielen sich in der Natur aber, sind nicht zu schnell, also irgendwie sicher und sie verlangen, dass ich meine Umwelt ganz genau beobachte. Sie können allein oder zusammen gemacht werden, sind spielerisch, einen Punkt, den wir in unserem Erwachsenendasein so oft vernachlässigen. Also: spielt mehr Freunde!

surfing warm up

Wie kam ich dann zum Surfen?

Wieso ich dann im Sommer 2017 zum Surfen kam? Gute Frage. Nennen wir es Intuition. Ich glaube nicht an Zufälle. Manchmal scheint einem das Leben einfach zu sagen was und wen es braucht, um dir neue Leidenschaften, Wege zu eröffnen. Einer meiner großen Träume war es schon immer an einem Yoga Retreat teilzunehmen. Irgendwo, wo es warm ist und natürlich am besten am Meer. Als Kind bin ich an einem großen See groß geworden und Wasser hatte schon immer eine unglaubliche Anziehung ausgeübt. Als ich das Netz im März 2017 durchforstete, wurde mir schnell klar, dass es auch Yoga in Kombination mit anderen Aktivitäten gibt. Yoga und Wandern: mega cool. Yoga und Klettern: eher doof bei Höhenangst. Yoga und Surfen: und da war es, das Gefühl: Lass das probieren. Irgendwie fühlte es sich richtig an. Klingt komisch, ist es aber nicht. Bauchgefühl...auf das wollte ich eh viel viel mehr hören. Also hab ich es gebucht: eine Woche Surf- & Yoga Retreat in Portugal. In Peniche, Baleal. Was würde das wohl mit mir machen?

surfing

Surf und Yoga Retreat Portugal

Bei Apura Yoga habe ich dann in fünf Tagen á zwei Stunden meine Surf Reise gestartet. Ich sage ganz bewusst Reise, denn ich denke mit dieser Aktivität ist man nie fertig. Es ist wie beim Yoga und beim Meditieren: jedes Mal wenn du es machst, wenn du es praktizierst, macht es etwas mit dir. Wieso das so ist?

Lasst mich probieren zu erklären, was ich in dieser Woche gefühlt bzw. erfahren habe. Vor ab sei gesagt: Surfen ist mit Abstand das anstrengendste was ich bis dato jemals getan habe. In kurzer Zeit will es alles von dir, dein Körper schmerzt, brennt...aber er hat sich auch noch nie so gut angefühlt. Es ist kein Sport bei dem du unbedingt gegen andere antreten musst. Es ist ein Sport mit dir und manchmal kämpfst du vor allem gegen dich selbst. Gegen dein Ego, gegen die Wellen...doch dabei findet man, neben einer guten Welle, besonders eins: sich selbst und das kämpfen zwecklos ist. Hingabe ist das Ziel.

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Observe

Ich bin natürlich noch blutiger Anfänger und will an dieser Stelle keine Tipps geben, sondern nur von Erlebtem berichten. Was mir von Anfange an mega Freude bereitet hat, ist dass das Surfen dich mit der Natur, mit ihrer Gewalt auf eigene Art und Weise wieder verbindet. Du lernst zu aller erst den Ozean, das Wasser und die Winde zu beobachten. Zu respektieren und zu schätzen, dass sie dir in Form von Energie diesen Sport ermöglichen. Beobachtung, ein Gefühl wieder für den Moment zu bekommen und auch Respekt. Denn wer sich hier überschätzt, den überrollt das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes. WIPE OUT!

peniche baleal

Let it go

Mein Motto für die gesamte Woche war: Lass los!

Lass deine Angst vor dem Wasser los, vor dir selbst und vor deinen Zweifel...aber auch deine Gedanken alles kontrollieren zu wollen. Wenn du anfängst auf dem Brett im Weisswasser zu paddeln um eine Welle zu bekommen, geht es nur nach Gefühl, ...für den richtigen Moment wenn das Wasser dich erreicht, dich mitnimmt und auf diese Reise schickt. Ein Gefühl das wahrscheinlich nur mit Fliegen gerecht zu beschreiben ist. Du lässt dich mitnehmen.

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Catch a Beauty

Bevor ich nach Portugal flog, hatte ich Bedenken, dass beim Surfen dasselbe passieren  könnte wie damals beim Snowboarden: hätte klappen können, tat es aber nicht. Doch genau das Gegenteil passierte. Ich hatte von Anfang Spaß, sei es dabei, dass auf Dauer doch schwere Board

durch die Gegend zu schleppen, mich in und aus dem Wetsuit herauszupeelen oder mich durch die Wellen zu bewegen. Es hat sich natürlich angefühlt, das Wasser um mich herum, der Sand der sich wirklich an jeder erdenklichen Körperstelle befand ;) ... Surfen macht high und ist wohl die mit Abstand gesündeste Droge, die dir neben einem tollen Körpergefühl auch noch einen netten Teint schenkt.

peniche surf


Surfing Lifestyle

ich würde lügen, wenn ich nicht auch erzählen würde, dass mich dieser komplette Lifestyle auch ziemlich anspricht, diese Attitüde der Dudes, welche um die ganze Welt reisen, immer auf der Suche nach der perfekten Welle. Immer draußen sein, an der frischen Meeresluft, mit salziger brauner Haut, glücklichen Gesichtern...die im Moment sind. Wie Sarah (meine Surf Lehrerin) es zusammenfasste: the surf seed is growing...and he is just planted.

bar da praia baleal
surfers

Surf Dokus - und Filme

Zu guter letzt: wenn ihr Euch auch schon einen kleine Surf-Vorgeschmack holen wollt, auf Netflix gibt es ein paar tolle Doku's und Filme zum Wellenreiten:

  • Bella Vita

  • Surf Wise

  • Radical

  • Soul Surfer

  • Fish People

  • Given

  • Mavericks

Außerdem gibt es in diesem Sommer wieder in vielen deutschen Städten die SURF FILM NACHT, welche mit tollen Doku's zum Thema Halt macht. In Leipzig gibt es am 22.März in der Kinobar Prager Frühling wieder die Gelegenheit.

Liebst,

Madlen

bar da praia baleal